Die Geschichte des Schach

Die Legende vom Weizenkorn und damit das erste geschichtliche Auftreten des Schachspieles stammt aus alten arabischen Quellen. Nach dieser Legende beauftragte ein indischer König einen brahmanischen Weisen damit, ihm ein Spiel zu erfinden, das nicht nur zu seiner Zerstreuung, sondern auch zur Belehrung dienen sollte. Dabei sollte eine Einheit zwischen dem König und dem Volke, dargestellt durch Bauern und Figuren, gebildet werden.
Als der brahmanische Weise dem König das Schachspiel überreichte, war dieser so erfreut, dass er dem Wesir anbot, seine Belohnung selbst zu wählen.

Sein Wunsch schien bescheiden:
Auf dem 1. Feld des Schachbrettes solle 1 Weizenkorn liegen, auf dem 2. Feld zwei, auf dem 3. Feld vier, auf dem 4. Feld acht und so weiter - also immer doppelt so viele Weizenkörner wie auf dem vorherigen Feld. Der König war erstaunt über diesen so bescheiden wirkenden Lohn und beauftragte seine Beamten und Ratgeber die Anzahl der Körner auszurechnen. Nachdem diese nach vielen Stunden die Summe der Weizenkörner aller 64 Felder errechnet hatten, mussten sie mit Erschrecken feststellen, dass so viele Weizenkörner nicht aufzutreiben waren.

Die Summe ergab:
18 446 744 073 709 551 615.

Die Zahl heißt in Ziffern ausgesprochen:
18 Trillionen, 446 Billiarden, 744 Billionen, 073 Milliarden, 709 Millionen, 551 Tausend 615. Die gesamte Weizenernte der Erde würde nicht ausreichen, um die 64 Felder des Schachbrettes mit Weizen zu bedecken. Mit dieser Menge könnte man die gesamte Erdkugel 9 mm hoch mit Weizenkörnern bestreuen.


Verbände und Weltmeisterschaften

Der internationale Dachverband der Schachspieler ist die FIDE (Fédération Internationale des Échecs).
Die FIDE führt seit 1948 offizielle Schachweltmeisterschaften durch. 1993 führte der damals amtierende Weltmeister Garri Kasparow den anstehenden Wettkampf gegen seinen Herausforderer Nigel Short nicht unter der Ägide der FIDE durch, sondern unter der eigens für diesen Zweck gegründeten Professional Chess Association (PCA). Die damit begonnene Spaltung der Schachwelt wurde erst durch den Wiedervereinigungskampf 2006 zwischen dem „Weltmeister im klassischen Schach“ Wladimir Kramnik und dem FIDE-Weltmeister Wesselin Topalow beendet, den Kramnik gewann. Bereits 2007 musste Kramnik jedoch die Weltmeisterkrone an Viswanathan Anand weiterreichen, der das Weltmeisterschaftsturnier in Mexiko-Stadt für sich entscheiden konnte.

Die FIDE vergibt nach klar definierten Regeln folgende Titel auf Lebenszeit: Candidate Master (CM), FIDE-Meister (FM), Internationaler Meister (IM) und Großmeister (GM).

Es gibt eigene Titel für Frauen: WCM (Woman Candidate Master), WFM (Woman FIDE Master), WIM (Woman International Master) und WGM (Woman Grand Master). Die Qualifikationskriterien für diese Titel sind gegenüber denen der allgemeinen Klasse reduziert. Nona Gaprindaschwili war die erste Frau, die den allgemeinen Großmeistertitel erhielt. Die Spielstärke der Spieler wird nach dem von Professor Arpad Elo in den 1960er Jahren entwickelten Wertungssystem, der sogenannten Elo-Zahl, ermittelt. Diese Wertungszahl beruht auf den Methoden der Statistik und der Wahrscheinlichkeitstheorie.

In Deutschland existiert seit 1992 die DWZ (DWZ = Deutsche Wertungszahl). Vorher maß man die Spielstärke in der Bundesrepublik Deutschland mit Hilfe der Ingo-Zahl (entwickelt 1947 von Anton Hößlinger aus Ingolstadt, daher der Name „Ingo“), in der DDR durch eine Einteilung der Spieler in Leistungsklassen und der NWZ (Schach).


Schach

Schach (von persisch: Schah, für „König“ – daher die stehende Metapher: „das königliche Spiel“) ist ein strategisches Brettspiel, bei dem zwei Spieler abwechselnd Spielfiguren auf einem Spielbrett bewegen.
Ziel des Spiels ist es, die als König bezeichnete Spielfigur des gegnerischen Spielers so anzugreifen, dass diesem keine Abwehr durch das Schlagen (Entfernen) der angreifenden Figur, durch das Schützen des Königs mit Hilfe einer eigenen Figur oder durch das Ausweichen des Königs auf ein nicht angegriffenes Feld mehr möglich ist. Eine solche Stellung wird Schachmatt genannt (vom Arabischen aš-šah mata = der Schah ist gestorben) und bedeutet das Ende des Spiels mit dem Sieg des mattsetzenden Spielers. Dabei ist das spielerische Können der Kontrahenten maßgeblich entscheidend und nicht der Zufall.


Allgemeines

Schach ist – gemessen an der Zahl der in Vereinen organisierten Spieler und der über das Spiel veröffentlichten Literatur – noch vor Dame, Mühle, Halma und Mensch ärgere dich nicht das populärste Brettspiel in Europa. Go und die dem Schach recht ähnlichen Spiele Xiangqi (siehe auch Wehrschach), Shogi und Makruk nehmen einen ähnlichen Platz in ostasiatischen Kulturen ein. Es wird sowohl zum reinen Vergnügen als auch wettkampfmäßig gespielt, in Schachvereinen, Turnieren, online oder per Brief und E-Mail (Fernschach). Nach einer im Januar 2007 veröffentlichten repräsentativen Umfrage spielen in Deutschland 32,6 Prozent der Männer und 12,2 Prozent der Frauen zumindest gelegentlich Schach.[2] Ein weiteres Gebiet des Schachs ist die Schachkomposition (unter anderem mit Schachspiel mit dem typischen Studien, Mehrzüger, Märchenschach, Hilfsmatt, Selbstmatt, Retro-Analyse).
Die Schachpartie wird auf einem quadratischen Spielbrett, dem Schachbrett gespielt, das in 64 abwechselnd schwarze und weiße quadratische Felder eingeteilt ist, auf denen jeweils sechzehn schwarze und weiße Figuren gezogen werden. Die Spielfiguren sind gewöhnlich aus Holz oder Kunststoff, wobei es auch dekorative Spielsets gibt, die aus Stein, Glas, Marmor oder Metall (z. B. Zinn) gefertigt sind. Um die Erfindung des Spieles rankt sich die so genannte Weizenkornlegende. Der Erfinder Sissa ibn Dahir soll von seinem Herrscher gefordert haben, ihm als Lohn die 64 Felder des Spielbrettes auf folgende Weise mit Weizenkörnern zu füllen: auf das erste Feld 1 Weizenkorn, auf das zweite 2 Körner, auf das dritte 4 Körner, auf das vierte 8 usw. (immer verdoppelt). Das wären aber insgesamt über 18 Trillionen Weizenkörner gewesen und sämtliche Welternten seit Beginn des Weizenanbaus zusammen hätten dazu nicht ausgereicht (vgl. aus der Mathematik Exponentialfunktionen).
Schach ist eines der komplexesten Brettspiele. Die Zahl der theoretisch möglichen Stellungen wird auf 2,28 * 1046 geschätzt. Bereits nach zwei Zügen können 72084 verschiedene Stellungen entstehen. Die Zahl der möglichen Spielverläufe ist noch einmal um ein Vielfaches größer: Unter Zugrundelegung einer durchschnittlichen Partielänge von 40 Zügen und einer durchschnittlichen Anzahl möglicher Züge von 30 Möglichkeiten pro Stellung werden für die Höchstzahl verschiedener Partien Werte zwischen 10115 und 10120 angegeben.
In der Spieltheorie wird Schach den Nullsummenspielen mit vollständiger Information zugeordnet. Theoretisch könnte man also ermitteln, ob bei beiderseits perfektem Spiel Weiß oder Schwarz gewinnt oder die Partie remis enden muss. Nach heutigem Wissensstand erscheint es jedoch ausgeschlossen, dass diese Frage durch vollständige Berechnung des Suchbaums geklärt werden kann. In der Schachwelt besteht allgemein Einigkeit darüber, dass Weiß, der zuerst zieht, einen Vorteil hat (Anzugsvorteil), da ein Tempovorteil bei der Entwicklung der Figuren besteht. Dieser Vorteil zeigt sich auch am Ergebnis der Partien – Weiß gewinnt häufiger als Schwarz. Statistisch gesehen gewinnt Weiß etwa 54 Prozent der möglichen Punkte. Dieser Wert lässt sich durch Auswertung von Schachdatenbanken, die eine große Anzahl von Partien enthalten, bestätigen. Demnach enden 38 Prozent der Partien mit einem weißen Sieg, 32 Prozent mit einem Remis und 30 Prozent mit einem Sieg von Schwarz. Bei Partien auf Großmeisterniveau steigt der Anteil der Remispartien deutlich an, der Erwartungswert für Weiß bleibt aber fast gleich. Diese Zahlen unterliegen jedoch einem kognitiven Bias, da viele Spieler, die den Anzugsvorteil als signifikant einschätzen, mit Weiß auf Gewinn und mit Schwarz auf Remis spielen.